Renovieren in der Schwangerschaft

Was gilt es beim Renovieren in der Schwangerschaft zu beachten?

Renovieren SchwangerschaftNeben der oftmals nicht gerade zuträglichen körperlichen Anstrengung für die Mutter ist das ungeborene Kind im Mutterleib durch das Renovieren während der Schwangerschaft durch eine Vielzahl von Schadstoffen gefährdet. Diese werden zum Beispiel aus Farben, Lacken oder Klebstoffen freigesetzt. Vielfach werden beim Renovieren außerdem große Mengen an belastetem Staub freigesetzt. Viele Umweltgifte können die Plazentaschranke überwinden und gelangen so während der Schwangerschaft direkt in den Stoffwechsel des besonders sensiblen Fötus. Hier können die Schadstoffe während der Schwangerschaft schwerwiegende Entwicklungsstörungen auslösen oder das spätere Risiko für Krankheiten und Allergien erhöhen.


Renovieren während der Schwangerschaft zu empfehlen?

Beim Renovieren können zahlreiche Schadstoffe freigesetzt werden. Farben, Lacke und Klebstoffe enthalten als Lösungsmittel häufig leichtflüchtige Kohlenwasserstoffe. Die Dämpfe dieser Schadstoffe können sich im gesamten Haushalt verteilen und so während der Schwangerschaft von der werdenden Mutter über die Lunge aufgenommen werden. Auch eine direkte Resorption über die Haut ist bei schlechtem Arbeitsschutz (keine oder falsche Handschuhe) möglich. Eine besondere Gefahr geht von Umweltgiften bei einer Renovierung oder Sanierung von Altbauten während der Schwangerschaft aus. Bis ca. 1978 (alte Bundesländer) bzw. 1990 (neue Bundesländer) wurde Holz im Innenbereich mit teilweise hochgiftigen Holzschutzmitteln behandelt. Diese enthalten gefährliche Chemikalien wie PCP, Lindan oder DDT. Durch Abschleifen oder das Entfernen von belastetem Holz während der Schwangerschaft können diese Umweltgifte mit dem Staub über die Lunge der werdenden Mutter resorbiert werden. Teerhaltige Holzschutzmittel, Dichtungen oder Dämmstoffe geben verstärkt gefährliche polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) an die Luft ab. Bei Renovierungsarbeiten werden PAKs oft verstärkt freigesetzt. Da viele Schadstoffe fettlöslich sind, können sie die Plazentaschranke leicht überwinden und den Fötus erreichen.


Aufnahme von Umweltgiften während der Schwangerschaft gefährdet Mutter und Kind

Eine Belastung während der Schwangerschaft mit Schadstoffen wie zum Beispiel Lösungsmitteln kann die Ausbildung eines schlagkräftigen Immunsystems beim ungeborenen Kind behindern. Dies begünstigt unter anderem die Anfälligkeit für Allergien und Infektionskrankheiten. Ursächlich hierfür ist eine Hemmung der T-Helferzellen im Fötus.[1]  Einige Holzschutzmittel wie DDT können beim Fötus auch zu schweren Missbildungen führen. PCP steht im Verdacht, Frühgeburten zu fördern.[2]  Bei PAKs wurde beobachtet, dass diese sogar bis in die DNA des Fötus vordringen und dort Schäden am Erbgut verursachen. Ein verstärkter Kontakt mit diesen Schadstoffen während der Schwangerschaft erhöht so das Risiko für Krebserkrankungen im Erwachsenenalter. Der bei Renovierungsarbeiten anfallende Staub und Feinstaub kann mit einem ganzen Cocktail von Umweltgiften belastet sein. Eine verstärkte Feinstaubbelastung während der Schwangerschaft erhöht das Risiko für verschiedenste Krankheiten. Auch eine Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung des Kindes durch aufgenommene Umweltgifte während der Schwangerschaft wurde in Studien beobachtet.[3]  Der Stoffwechsel der Mutter ist während der Schwangerschaft erhöht. Deshalb werden während des Renovierens freigesetzte Schadstoffe verstärkt aufgenommen. So können bereits relativ geringe Dosen an Lösungsmitteln und anderen Schadstoffen während der Schwangerschaft zu Übelkeit, Kopfschmerzen, Kreislaufproblemen und Atemwegsbeschwerden führen.

Renovieren während der Schwangerschaft – Tipps zum Schutz vor Schadstoffen

  • Schwangere sollten sich möglichst nicht an Renovierungsarbeiten beteiligen. Auch nach der Renovierung sollte während der Schwangerschaft für einige Tage nicht in frisch renovierten Räumen geschlafen werden.
  • Bei Renovierungsarbeiten unbedingt auf gute Lüftung achten.
  • Ein geeigneter Mundschutz verhindert die Aufnahme von belastetem Staub.
  • Zu renovierende Zimmer sollten mit Plastikplanen von der übrigen Wohnung abgeschirmt werden. So wird die unkontrollierte Ausbreitung von Staub minimiert.
  • Anfallenden Staub am besten feucht aufwischen. Beim Staubsaugen nur Sauger mit modernen Mikrofiltern verwenden.
  • Bei Farben, Lacken, Klebstoffen und anderen Baustoffen möglichst nur Produkte mit Siegeln wie dem Blauen Engel oder der Auszeichnung EMICODE EC 1 plus oder EMICODE EC 1 verwenden.
  • Zum Renovieren verwendete Spanplatten können schädliches Formaldehyd ausdünsten. Spanplatten mit der Kennzeichnung „FO“ sind formaldehydfrei.

 

Quellen:

[1]Helmholtzzentrum für Umweltforschung, „Allergien durch Chemikalien“: http://www.ufz.de/index.php?de=31549

[2]Umweltbundesamt, „PCP und andere Chlorphenole...“: http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/2985.pdf

[3]Frederica et. al. (2003), „Effects of Transplacental Exposure to Environmental Pollutants on Birth...“: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1241351/pdf/ehp0111-000201.pdf