Krankes Haus Syndrom

Sick Building Syndrom und seine Symptome

Der Begriff Sick Building Syndrom (kurz: SBS) wird verwendet, wenn Personen bei längerem Aufenthalt in Gebäuden Symptome von Krankheiten oder gesundheitliche Beschwerden zeigen. Das SBS wird im deutschen Sprachraum auch oft als Krankes Haus Syndrom oder Gebäudekrankheit bezeichnet. Vielfach tritt das Sick Building Syndrom am Arbeitsplatz auf. Nach dem Verlassen des Gebäudes klingen die Symptome des Sick Building Syndroms meist rasch ab. Ursächlich für das SBS können Wohngifte und psycho-soziale Faktoren sein.


Krankes Haus Syndrom – was versteht man darunter?

Krankes Haus SyndromNach einer Definition der WHO wird der Begriff Sick Building Syndrom verwendet, wenn bei mehr als 10 bis 20 % der Bewohner oder Beschäftigten in einem Gebäude nicht genau spezifizierbare Symptome von Krankheiten oder gesundheitliche Beschwerden auftreten. Per Definition müssen diese nach dem Verlassen des Gebäudes relativ schnell wieder abklingen.1  Teilweise wird jedoch von Wissenschaftlern auch ein sogenanntes permanentes Sick Building Syndrom beschrieben, bei dem die Symptome auch nach dem Verlassen des Gebäudes über längere Zeiträume anhalten. Beim SBS bzw. Krankes Haus Syndrom können den Beschwerden und Symptomen keine klaren Ursachen zugeordnet werden. Dies grenzt das SBS klar von der Building Related Illness ab, bei der genau definierte Krankheiten klaren Ursachen zugeordnet werden können.


Wie häufig ist das Kranke Haus Syndrom?

In Industrieländern leiden laut Schätzungen 20 – 30 % aller Büroangestellten unter verschiedensten Ausprägungen und Schweregraden des Krankes Haus Syndroms. Der wirtschaftliche Schaden durch Behandlungskosten und Fehlzeiten kann für große Industrienationen mehrere Milliarden Euro jährlich betragen.2 Die Dunkelziffer und die Häufigkeit von Fehldiagnosen ist beim Sick Building Syndrom relativ hoch. Teilweise werden zum Beispiel durch Chemikalien in der Raumluft verursachte Symptome mit verstärktem Arbeitsstress erklärt. Viele Betroffene suchen mit ihren Beschwerden auch keinen Arzt auf, da sie diese nicht als behandlungsbedürftig einstufen. Diese Faktoren erschweren eine fundierte statistische Erfassung.


Welche Symptome beim Sick Building Syndrom?

Die Symptome des Sick Building Syndroms können insgesamt sehr vielschichtig und unspezifisch sein. Sehr häufig treten bei Betroffenen gereizte Augen und Schleimhäute, Kopfschmerzen, Schwindel, Unwohlsein, Erschöpfungszustände, Herzklopfen, erhöhte Infektanfälligkeit sowie juckende oder gerötete Haut auf. Vielfach treten die Symptome des Sick Building Syndroms auch in Kombination auf. Besonders die Abgrenzung zu Allergien und chronischen Erkältungskrankheiten ist teilweise sehr schwierig. Ein permanentes Sick Building Syndrom kann sich auch durch die Symptome Schlafstörungen, Depressionen oder Schäden an inneren Organen manifestieren. Die klare Abgrenzung zur Building Related Illness ist hier dann allerdings nicht mehr immer gegeben.


Was sind die Ursachen des Sick Building Syndroms/Krankes Haus Syndroms?

Die Ursachen des Sick Building Syndroms lassen sich per Definition nicht klar den Symptomen zuordnen. Bei Raumluftmessungen wurden allerdings teilweise erhöhte Belastungen mit flüchtigen und schwerflüchtigen organischen Verbindungen (VOCs und SVOCs) festgestellt. Zu diesen Chemikalien zählen zum Beispiel Lösungsmittel, Weichmacher, Terpene und Formaldehyd. Diese Luftschadstoffe können unter anderem aus Lacken, Reinigungsmitteln, Möbeln und Fußböden freigesetzt werden. Auch Flammschutzmittel, Tonerstäube und Emissionen aus PCs und Monitoren werden als Ursachen des Sick Building Syndroms diskutiert. Eine Raumluftanalyse kann hier wertvolle Hinweise auf Belastungen liefern. In der groß angelegten ProKlimA-Studie (5000 befragte Büroangestellte) wurden auch Klimaanlagen (zu trockene/kalte Luft, Zugluft) als ein häufiger Auslöser des Krankes Haus Syndroms identifiziert.3 
Insgesamt lässt ein schlechtes Raumklima die Anzahl der SBS-Fälle ansteigen. Auch Bakterien und Schimmelpilze sowie physikalische bzw. physiologische Belastungen durch Lärm und schlechte Arbeitsplatzergonomie können zum SBS beitragen. Die „Diagnose“ des Krankes Haus Syndroms wird auch durch die mögliche Beteiligung psycho-sozialer Ursachen erschwert. Dazu zählen zum Beispiel Mobbing und allgemeiner Stress am Arbeitsplatz.


Die wichtigsten Fakten zum Krankes Haus Syndrom und Sick Building Syndrom

  • Die Symptome des Sick Building Syndrom klingen in den allermeisten Fällen nach Verlassen des Gebäudes ab.
  • Den Symptomen des Sick Building Syndrom lassen sich per Definition keine klaren Ursachen zuordnen.
  • Mögliche Auslöser des SBS sind Belastungen mit Chemikalien, schlechtes Raumklima und Stress am Arbeitsplatz.
  • Eine Raumluftanalyse kann wertvolle Hinweise zu möglichen Auslösern des Krankes Haus Syndroms liefern.

 

 

Quellen:

[1] Universität Saarland, „Innenraumbelastungen und Sick Building Syndrom“: http://www.uni-saarland.de/fileadmin/user_upload/Sonstiges/KoWA/forschung/berichte/innenraum-abschluss.pdf

[2] Deutsches Ärzteblatt 2008; 105(30), „Klinische Umweltmedizin“: http://www.aerzteblatt.de/archiv/60994/Klinische-Umweltmedizin

[3] Umweltbundesamt, „Sick Building Syndrom“: http://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/belastung-des-menschen-ermitteln/umweltmedizin/sick-building-syndrom