Beschwerden durch Schadstoffe in der Luft

Wie häufig sind Beschwerden durch Schadstoffe in der Luft?

Beschwerden durch Schadstoffe in der Luft sind sehr häufig. Schadstoffe in der Raumluft können sehr vielfältige und teilweise unspezifische Symptome und Krankheiten hervorrufen. In der Fachwelt hat sich der Begriff Sick-Building-Syndrom (Krankes-Haus-Syndrom) für Beschwerden aufgrund von Schadstoffbelastungen in Gebäuden etabliert. In Deutschland leiden etwa 400.000 Menschen unter dem Sick-Building-Syndrom. Beschwerden durch Schadstoffe in der Luft werden meist durch Chemikalien, Feinstaub oder Schimmelpilze verursacht.


Welche Schadstoffe in der Luft können Beschwerden verursachen?

Die Bandbreite von möglichen Schadstoffen in der Raumluft ist selbst für Experten kaum zu überblicken. Aus Farben, Lacken und Klebstoffen entweichen vielfach Lösungsmittel. Hierzu zählen leichtflüchtige und flüchtige organische Verbindungen wie Aceton oder Methylenchlorid. Fußböden und Verkleidungen aus Kunststoff setzen teilweise Weichmacher wie Diethylhexylphthalat (DEHP) frei. Ein besonderes Risiko geht hier von PVC aus. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) können aus alten teerhaltigen Klebstoffen, Holzschutzmitteln, Dämmmaterialien oder Dachbahnen entweichen. Beschwerden können auch beim Übergang von Schadstoffen aus Reinigungsmitteln (alkoholhaltige Desinfektionsmittel, Duftstoffe etc.) in die Luft entstehen. Besonders in Büros wird die bereits bestehende Feinstaubbelastung oft durch Partikel aus Druckertonern erhöht. Teilweise setzten Drucker auch schädliches Ozon frei. In Privathaushalten entsteht durch offene Öfen und Kamine eine erhebliche Feinstaubbelastung. Tabakrauch enthält eine Vielzahl gefährlicher Schadstoffe. Schimmelpilze gedeihen besonders an kalten Kondensationspunkten (Fensternähe, Außenwände etc.) in feuchten, schlecht gelüfteten Räumen. Problematisch sind bei Schimmel die vom Schimmelrasen in die Luft freigesetzten Schimmelsporen.


Schadstoffe in der Raumluft verursachen verschiedenste Symptome und Erkrankungen

Schadstoffe Beschwerden LuftSchadstoffe aus der Raumluft werden zum größten Teil über die Schleimhäute der Atemwege und die Lunge aufgenommen. Deshalb zeigen sich hier auch sehr häufig Symptome wie chronischer Husten, asthmaähnliche Atembeschwerden, Halsbrennen etc.[1]  Enthält die Raumluft Schadstoffe wie Lösungsmittel oder alkoholische Dämpfe aus Reinigungsmitteln, treten vielfach auch Symptome wie Benommenheit, Schwindel, Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Übelkeit auf. Auch neurologische Störungen wie Konzentrationsschwäche oder Muskelkrämpfe können auf Schadstoffe in der Raumluft zurückzuführen sein. Stark riechende Chemikalien können auch zu psychischen Belastungen führen. Neben den genannten Symptomen sind besonders Langzeitschäden bei einer chronischen Belastung durch Schadstoffe in der Raumluft eine Gefahr. So gelten viele PAKs als krebserregend[2], Weichmacher begünstigen Allergien und erhöhen das Risiko für Neurodermitis. Im Hausstaub reichern sich die unterschiedlichsten Schadstoffe an, die zum Beispiel das Risiko für Lungenkrebs erhöhen. Viele in der Raumluft enthaltene Schadstoffe sind fettlöslich und reichern sich daher im Körpergewebe an. Schimmelpilze führen oft zu Allergien und asthmatischen Beschwerden. Bei einer starken Belastung mit Schimmelpilzsporen sind auch direkte Schäden an der Lunge und Vergiftungserscheinungen möglich.


Beschwerden durch Schadstoffe in der Luft vorbeugen

  • Regelmäßiges Lüften vermindert die Schadstoffkonzentration. Nach Malerarbeiten oder dem Einkleben von Teppichen sollten die Räume für 1–2 Tage gelüftet und möglichst wenig genutzt werden.
  • Farben, Lacke und Klebstoffe mit dem Siegel „Blauer Engel“ sind deutlich schadstoffärmer.
  • Rauchen in Innenräumen sollte tabu sein. Dies gilt besonders für Schwangere und Haushalte mit Kindern.
  • Ein Befall mit Schimmelpilzen kann mit Alkohol (mindestens 70 %) entfernt werden.
  • Beschwerden durch Schadstoffe in der Luft sind oft sehr unspezifisch. Spezialisierte Labore können Schadstoffe jedoch teilweise im Blut nachweisen. Ebenso kann die Konzentration gewisser Stoffe in der Luft ermittelt werden. Umweltmediziner sind kompetente Ansprechpartner bei Verdacht auf eine Schädigung durch Luftschadstoffe.

 

Quellen:

[1]Umweltbundesamt, „Sick-Building-Syndrom“: http://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/belastung-des-menschen-ermitteln/umweltmedizin/sick-building-syndrom

[2]Umweltbundesamt, „Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe“: http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/4372.pdf